Die Städte und die Erinnerung 5

Die Bewohner sehnen sich nach der Stadt die sie jeher kannten, und weisen der Gegenwart gegenüber eine große Unzufriedenheit auf. Maurilia ist zu einer wohlhabenden Metropole geworden, was die Bürger sehr bedauern. Man denkt gerne an die vergangene provinzielle Stadt zurück und ruft immer wieder Erinnerungen hervor. Selbst den Besuchern der Stadt möchte man das alte Maurilia nicht vorenthalten: bei ihrer Ankunft legt man ihnen alte Postkarten der Vergangenheit vor und man verlangt, dass diese Bilder mehr geschätzt werden als das, was sie direkt vor sich sehen. Hinzu kommt, dass es nicht nur ein Maurilia gibt, sondern mehrere, die alle die gleichen Merkmale aufweisen und dadurch fortschreitend an Identität verlieren. Sie besitzen keine eigenen Besonderheiten mehr an die man sich zukünftig gerne erinnert, weshalb die Bewohner der ehemaligen überformten Stadt […] große Bewunderung schenken.

In der romantischen Kunst wird die Empfindung einer gewissen Sehnsucht ausgiebig thematisiert. In einer sich stetig weiterentwickelnden Welt sehnten sich die Menschen dieser Zeit nach der Ferne und wendeten sich der Natur hin. Diese galt als Ort, an den sie sich zurückziehen konnten, um den schmutzigen und schnelllebigen Städten zu entkommen. Indem sie sich dem Träumerischen und Märchenhaften der Landschaft zuwendeten, gelang es ihnen, den Turbulenzen der Wirklichkeit zu entkommen, indem sie sich einer vollkommen friedlichen Welt zuwendeten. Die Bewohner von Maurilia flüchten aus ihrer Gegenwart, indem sie an ihren Vorstellungen festhalten. […]

Jessica Bill, Noémie Klein & Célina Stempel