Statement „Alles ist Bestand“
Im Kurs Alles ist Bestand schauen wir auf das, was da ist. Wir beschäftigen uns damit, was uns begegnet — vermeintlich absurde, alltägliche Dinge — und selbst wenn es noch so falsch klingt, noch so offensichtlich ist, gibt es doch immer Gründe, die dahinter liegen. Nichts passiert einfach so.
Es gibt Dinge, die seltsam scheinen. Und Dinge, die selbstverständlich wirken. Beides interessiert uns.
Der gebaute Bestand, das Bestandsgebäude ist für uns nur ein Teil der Recherche und der Analyse. Wir arbeiten über das einzelne Objekt hinaus mit dem Bestehenden in Bezug auf Gesetze, Gewohnheiten, Geschichten, Ökonomien, Politik, Wünsche, Ängste — und gestalten diese Aspekte. 
Wir entwerfen Prozesse, die nicht nur Gebäude verändern, sondern auch Strukturen, Beziehungen und Vorstellungen davon, wie wir zusammenleben wollen — untereinander und mit der Welt. Für mögliche — und für bessere Zukünfte.
Klimaerwärmung, Verlust der Artenvielfalt, gesellschaftliche Fragmentierung, Wohnungskrise — wir sind in einer Polykrise — und die Architektur mittendrin. Es ist zu spät, die Erde nur zu schützen. Wir müssen aktiv handeln. Pflegen. Reparieren. Verbessern.

Was bedeutet das?
Wir arbeiten an konkreten Projekten. Wir erproben Ideen. Wir testen. Wir zeigen. Die Interventionen sind offen — in Maßstab, Größe, Umfang. Aber niemals losgelöst. Immer ausgehend von dem, was da ist. 
Transformation entsteht selten durch einen Auftrag. Sie beginnt, wenn jemand eine Frage stellt. Wenn jemand einen Vorschlag macht. Wenn jemand anfängt.

Wir fangen an.  
Wir wollen real initiieren. Das bedeutet: die Akteure verstehen, den Prozess der Realisierung gestalten. Wer finanziert? Wer baut? Wer entscheidet? Wer koordiniert? Wer nutzt — und wie lange? Was passiert danach?

Architektur ist dann mehr als Architektur. Sie wird zur Initiative. Politisch. Ökologisch. Sozial. Sie formt nicht nur Räume — sondern Prozesse, Strukturen, Möglichkeiten. Unsere Entwürfe sind Vorschläge. Für Genossenschaften, Bürgerinitiativen, Stiftungen, Privatpersonen, die Gesellschaft. Manchmal bedeutet das: einen Verein gründen. Die Bürgermeisterin anrufen. Den ersten Schritt machen.
Oft sind es gerade die scheinbar banalen Gebäude, denen zunächst niemand einen besonderen Wert zuschreibt. Initiativen beginnen meist klein. Mit einer Beobachtung. Einer Irritation. Einer Idee. Aber sie können Veränderung bewirken. 
Jeder Entwurf ist ein Vorschlag. Für ein anderes Zusammenleben. Für eine andere Zukunft. Das ist unsere Aufgabe. Nicht nur Gebäude entwerfen. Zukünfte vorschlagen.


Studio Alles ist Bestand Organisation, Methode und Ansatz: 

Jeden Morgen stellen wir eine Initiative vor. Jurek beginnt am 13. April um 10 Uhr. In den folgenden Wochen kommen Gäste.
Wir arbeiten mit verschiedenen Medien: Podcast, Photogrammetrie, Fotografie, Film, Diagramme, Pläne, Visualisierungen (AI). 
Am Nachmittag führen wir jeweils in eines dieser Medien ein.
In Zweiergruppen entwickelt ihr eigene Initiativen für Bestände in Aachen oder der Region.
Folgt eurer Intuition. Euren Träumen. Euren Fragen.
We look forward to starting our exploration!

Organisation und Kontakt:
Dr. -Ing. Ilaria Maria Zedda
Lehrkraft für besondere Aufgaben
Lehr- und Forschungsgebiet Raumgestaltung
RWTH Aachen University
zedda@raum.arch.rwth-aachen.de